Zur Geschichte des Klosters und der Kirche












Gesamtansich des Klosters um 1890

Die Dominikanerinnenkirche Heilig Kreuz zu Regensburg ist ein Kunstwerk von einer besonders starken und eigentümlichen Aussagekraft. Um zu verstehen, was in diesem ganz aus dem Geist des Dominikanerordens gestalteten Gotteshaus offenbar wird, müssen wir einen Blick werfen in die Entstehungsgeschichte des Ordens wie auch auf bestimmte Stationen in der Entwicklung des Klosters Heilig Kreuz. Der hl. Dominikus , ein Spanier, begegnete auf einer Reise durch Südfrankreich der lebensverneinenden, finsteren Irrlehre der Katharer und erkannte ihre Gefährlichkeit. Um die Anhänger dieser Sekte durch klare und überzeugende Darlegung der Wahrheit in den Schoß der Kirche zurückzuführen, faßte er den Plan, einen Orden von Predigerbrüdern ins Leben zu rufen. Doch schon lange, bevor dieses für die damalige Zeit kühne Unternehmen seine endgültige Gestalt fand, gründete Dominikus in der südfranzösischen Ortschaft Prouilhe ein streng klausuriertes Frauenkloster. Die Schwestern sollten in völliger Abgeschiedenheit von der Welt ein Leben der Gottvereinigung führen und durch ihr Gebet und ihre hochherzige Buße der Verkündigung des Gotteswortes den Boden bereiten. - Während eines späteren Aufenthaltes in Rom erhielt Dominikus vom Papst den Auftrag, die Nonnenklöster der Ewigen Stadt zu reformieren. Dies vollzog er in der Weise, daß er die Nonnen aus verschiedenen Klöstern in dem neuerrichteten Konvent"zum hl. Sixtus" zusammenführte und ihnen neben der Augustinusregel die von ihm entworfenen Konstitutionen, genannt"Regel von San Sisto", als Richtschnur für ihr Ordensieben gab.

Sixtkapelle - Ältester Bauteil des 1233 gegründetenDiese Satzungen wurden schon bald von anderen Schwestern-gemeinschaften übernommen, so auch von einer Vereinigung frommer Frauen, die sich im Westen der Stadt Regensburg angesiedelt hatten. Bischof Siegfried von Regensburg erreichte es, daß die Bürgerschaft den Schwestern einen Bauplatz schenkte. Er bestätigte diese Schenkung am 22. Februar 1233 und trug den Schwestern auf," Hüterinnen der Stadt im Westen" zu sein, eine Gebetswacht also, wie es die Bußschwestern im Osten von Regensburg (die nachmaligen Klarissen) bereits waren. Vier Jahre später überließ Graf Heinrich von Ortenburg und Murach der jungen Gründung die Pfarrei Schwarzhofen, aus deren Einkünften der Bau des Klosters und der Kirche finanziert werden konnte.

An Graf Heinrich und seine Gemahlin Richiza, die Stifter des Klosters, erinnert das Wappen an der Balustrade unterhalb des Nonnenchores.

Die Kirche entstand in den Jahren 1237—1244. Das breitrechteckige, einschiffige Langhaus hatte eine einfache Holzdecke und vierzehn hohe, sehr schmale Fenster. Nach Osten hin schloß sich der dreiseitig gebrochene, eingezogene Chor mit Gewölbe an. Das romanische Kruzifix, das dem Kloster den Namen gegeben hat, wurde 1699 vom Konventsbau in die Kirche versetzt, um es dem Volk zur Verehrung zugänglich zu machen.

Es ist anzunehmen, daß die Dominikaner, die sich bereits 1229 in Regensburg bei der Kirche St. Blasius niedergelassen hatten, die Nonnen in der Westnervorstadt von Anfang an geistlich betreuten. 1246 wurde das Kloster zum Heiligen Kreuz offiziell dem Dominikanerorden eingefügt. Die gotische Figur des hl. Bischofs Blasius in der südöstlichen Wandnische nächst dem Beichtstuhl erinnert daran, daß die Ordensbrüder aus dem Dominikanerkloster St. Blasius bei den Schwestern als Beichtväter und geistliche Berater tätig waren.

Welch großer Segen aus dem Zusammenwirken von Brüdern und Schwestern allenthalben hervorging, zeigt u.a. die Hochblüte der deutschen Mystik im 14. Jh., die hauptsächlich auf die pastorale Tätigkeit der Dominikaner und auf die von ihnen in der Theologie und im geistlichen Leben unterwiesenen Dominikanerinnen zurückzuführen ist. Es genügt hier, das mystische Dreigestirn Eckhart - Seuse - Tauler und die aus Donauwörth stammende Dominikanernonne Margarete Ebner zu nennen. Verschiedene Klosterchroniken aus dieser Zeit - es gab damals an die 80 Dominikanerinnenklöster in Deutschland - vermitteln einen lebendigen Eindruck von dem vielfältigen Reichtum an mystischen Begnadungen. Die Regensburger Chronik mit den entsprechenden Berichten fiel im 16. Jh. leider einem Brand zum Opfer, und so wissen wir nichts über das mystische Leben unserer damaligen Schwestern.

Auf die Zeit der Blüte folgte im letzten Drittel des 14. Jh. im Regensburger Dominikanerinnenkloster wie in so vielen anderen eine Periode der Erschlaffung. Die allgemein einsetzenden Reformbestrebungen führten hier in Heilig Kreuz im Jahre 1484 durch die Inkorporierung von fünf Schwestern aus dem Nürnberger St.-Katharinen-Kloster zu einem vollen Erfolg. Der Konvent war im klösterlichen Leben so gefestigt, daß er die Reformation ohne Verluste überstehen konnte. Der Dreißigjährige Krieg brachte vielerlei Unannehmlichkeiten, Gebäudeschäden an Kloster und Kirche und schwere Schuldenlasten mit sich, aber Heilig Kreuz wurde durch Gottes Schutz vor Zerstörung und Auflösung bewahrt.

Im Jahre 1803, zur Zeit des großen Klostersterbens der Säkularisation, machte Kurfürst Carl Theodor v. Dalberg den Weiterbestand des Klostes Heilig Kreuz von der Eröffnung einer Mädchenschule abhängig. Die Schwestern fügten sich, blieben aber trotz der übernommenen Tätigkeit ihrer Lebensform als beschauliche Ordensfrauen treu, d. h. sie verrichteten weiterhin das große Choroffizium und behielten die strenge Klausur (mit entsprechenden Dispensen für Lehrerinnen) bei. So ist es geblieben bis auf den heutigen Tag.

Unterdem Priorat von Mutter Benedikta Bauer hatte das Kloster eine solche Lebenskraft erreicht, daß nicht nur eine Neugründung in Niederviehbach a.d. Isar, sondern auch zwei Niederlassungen in den USA entstehen konnten: Brooklyn/ New York 1859 und Racine/Wisconsin 1862. Die amerikanischen Gründungen wuchsen bis zum Jahre 1929 auf zwölf selbständige Kongregationen an, die 1960 über 8700 Mitglieder zählten.

Die Umgestaltung der Kirche im 18. Jh.

Um die Mitte des 18. Jh. wurde eine gründliche Restaurierung der Kirche notwendig. So etschloß sich die damalige Priorin Hyazintha Hämmerl im Jahre 1751, ermutigt durch die glücklich vollendete Barockisierung der Benediktinerabteikirche St. Emmeram, zu einer völligen Umgestaltung der Klosterkirche Heilig Kreuz im Sinne des Rokoko. Aus dem winfachen gotischen Bauwerk sollte eine Raumschöpfung von einmaliger Schönheit und Ausdruckskraft entstehen. Die im Barok maßgebende Idee des Gesamtkunstwerkes, d.h. die Unterordnung aller künsterischen Einzelelemente unter einen groß gestaltenden Gedanken, wurde bei der Durchf¨hrung dieser Modernisierung tatsächlich in hervorragender Weise verwirklicht. Das konnte nur geschehen, weil den Künstlern ein ausgereiftes ikonologisches Programm in die Hand gegeben wurde, welches die einzelnen Gemäde und Ausstatungsstücke in sinnvolle Beziehung zueinander setze. Eine schriftliche Fixierung ist nicht überliefert, auch nicht der Name des Autors. Wir dürfen annehmen, daß es sich um den damaligen Prior des Regensburger Dominikanerklosters handelt, Johannes Gimpel, der als großer Bauliebhaber bekannt war.

In dem Konzept, nach welchem die Umgestaltung vorgenommen wurde, sind drei Grundlinien erkennbar:

  1. Gemäß dem Verkündigungsauftrag des Predigerordens werden die wichtigsten Inhalte des katholischen Glaubens anschaulich gemacht.
  2. Das Kreuz Christi wird in seiner Bedeutung für den Glaubensvollzug und in seinem Symbolgehalt aufgezeigt.
  3. Durch die Art und Weise, wie die prominenten Persönlichkeiten des Dominikaner-ordens dargestellt werden, soll der Kirchenbesucher Einblick gewinnen in dessen Zielsetzungen.

Bei der Raumveränderung blieben die gotischen Umfassungsmauern erhalten. Der Chor, der nach außen mit fünf Seiten eines Achtecks abschließt, wurde innen durch die Altarwand abgerundet und neu eingewölbt. Die Fenster wurden erheblich vergrößert und dem Zeitstil angepaßt. Infolge der Abrundung der vier Langhaus-ecken durch Blendmauern entsteht beinahe der Eindruck, als handle es sich hier um einen Rokoko-Grundriß. An die Stelle der Holzdecke trat ein allseitig abgemuldetes Spiegelgewölbe mit Stichkappen. - Die Arbeiten wurden in der Hauptsache um 1757 abgeschlossen.


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